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Nahrung und Diabetes bei der Mongolischen Rennmaus

 
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Blutkiel
Fellnase


Anmeldungsdatum: 08.10.2021
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 08.10.2021 04:31    Titel: Nahrung und Diabetes bei der Mongolischen Rennmaus Antworten mit Zitat

Hallöchen,

ich interessiere mich wahnsinnig für die Ernährung der Mongolischen Rennmaus, darunter wäre auch das Thema Diabetes welches immer wieder aufkommt.

Ich wollt fragen, wie ich an Material komme, welches ich zum mich informieren verwenden könnte.
z.B. was die wilden verwandten fressen.
Links? Buchtipps? Gibt es da irgendetwas was man nutzen kann?

Mit freundlichen Grüßen
Blutkiel
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davX
Team


Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8463
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 08.10.2021 23:38    Titel: Re: Nahrung und Diabetes bei der Mongolischen Rennmaus Antworten mit Zitat

Hallo und herzlich willkommen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich hier nicht viel beitragen kann. Leider ist es in letzter Zeit auch nicht besser geworden. Vor 10 Jahren gab es mit dem Rodent-Info Forum eine gute Anlaufstelle für solche Fragen. Mit zunehmender Popularität von Facebook und Co. sind leider viele Foren verschwunden, darunter eben auch einige gute.
Unser Schwerpunkt hier waren/sind eher die Meerschweinchenverwandten (Degus, Meerschweine, Chinchillas) und die Kaninchen. Das Forum ist auch längst nicht mehr so aktiv, wie es mal war und ich selbst beschäftige mich viel mehr mit gärtnerischen Themen als mit Tieren/Kleinsäuger.

Ich hatte damals aber auch mal eine Diskussion zum Thema Diabetes und der Einfluss der Ernährung bei Rennmäusen oder Sandratten waren es glaubs. Ich hatte damals die Vermutung, dass ähnlich wie bei den Degus das Thema überbewertet wird und das was als "Diabetes" bei Degus bezeichnet wird, vermutlich eine andere Stoffwechselerkrankung sein dürfte, die zu Linsentrübungen führt. Ich stellte damals die Vermutung auf, dass es bei den Sandratten (Rennmäuse) vermutlich ähnlich sein könnte. Mir wurde dann gesagt, dass es dort anders sei und es sich tatsächlich um Diabetes handle und man sehr auf die Ernährung dieser Tiere achten müsse. Abschliessend kann ich das letztlich nicht beurteilen. Da kenne ich diese Tiere zu wenig und habe überhaupt keine persönlichen Erfahrungswerte oder Beobachtungen.
Ich gehe aber davon aus, dass wahrscheinlich wirklich etwas dran ist, was mir damals gesagt wurde. Die Erklärung gerade bei den Sandratten ist, dass sie Wüstenbewohner wären und daher die Unterschiede bei der Ernährung herkämen. Die Mongolischen Rennmäuse wiederum sind Steppenbewohner ähnlich wie die Degus. Das könnte dafür sprechen, dass sie weniger anfällig sind für Diabetes, dass man bei ihnen weniger extrem bei der Ernährung darauf achten muss. Aber wie gesagt, ich habe Null Erfahrungswerte, das ist eine rein theoretische Überlegung.

Was Literatur zum Thema angeht bei Rennmäusen kann ich leider nicht wirklich weiterhelfen. Was ich machen würde, wäre eine Suche in einer wissenschaftlichen Suchmaschine wie Google Scholar, Pubmed, Sciencedirect/Elsevier und wie sie alle heissen und dann ein paar Suchbegriffe füttern wie "diet" oder "diabetes" und dann der wissenschaftliche Namen der mongolischen Rennmaus und schauen, was rauskommt.
Voraussetzung ist da natürlich ein gewisses Englisch Verständnis und eine gewisse Frusttoleranz und Ausdauer am Anfang, wenn du nicht schon Erfahrung mit wissenschaftlichem Arbeiten hast, z.B. durch ein Studium. Am Anfang ist das recht fremd und klingt alles wie chinesisch, bis man da ein bisschen drin ist in der Fachsprache und wie man am effizientesten solche Texte liest.

Bei den Fetten Sandratten, weiss ich, dass es da eine Reihe von Studien gibt. Meines Wissens wurde da etwa in den 1970er und 1980er Jahre einiges geforscht. Zudem hatten mir Sandratten-Halter damals gesagt, dass die Tiere diesbezüglich sehr heikel seien und mein Eindruck damals war, dass sie deutlich heikler sind als Rennmäuse/Mongolen.

Wenn du dich allgemein für den Speiseplan, die Ernährung der Mongolen in der Wildnis interessierst, da hatten wir in der Vergangenheit ein bisschen was hier zusammengetragen.
Ich hatte vor Jahren folgendes in unserer Wiki notiert:

Zitat:

Die Mongolischen Rennmäuse ernähren sich durch den Winter von ihren Samenvorräten und im Frühling und Sommer von Blättern derselben Pflanzen. Ågren et al. (1989) berichten, dass sich die von ihnen beobachteten Rennmäuse hauptsächlich von Blättern und Stängeln des einjährigen Krautes Artemisia sieversiana (Korbblütengewächs) ernährten. Ausserdem ernährten sich die Rennmäuse auch von Artemisia commutata (ebenfalls Korbblütengewächs), Salsola collina (Gänsefußgewächs), der grünen Borstenhirse (Setaria viridis; Süßgräser) und der Grasart Leymus chinensis (Süßgräser). Gelegentlich konnten Rennmäuse beobachtet werden, dass sie bei der Futtersuche gruben, vermutlich um Wurzeln zu fressen.

(...)

Literatur:

* Ågren, G. Zhou, Q, Zhong, W. (1989): Ecology and social behaviour of Mongolian gerbils, Meriones ungniculatus, at Xilinhot, Inner Mongolia, China. Animal Behaviour 37: 11-27.


Quelle: http://www.degupedia.de/wiki/index.php?title=Mongolische_Rennmaus


Möglicherweise ist in den letzten Jahren da noch einiges an neuer Literatur zusammenkommen und möglicherweise gibt es zudem auch weitere, möglicherweise deutlich bessere Untersuchungen zur natürlichen Ernährung dieser Tiere. Ich denke aber, für einen ersten groben Einblick könnte es schon mal helfen.

Artemisia ist übrigens verwandt mit Beifuss und Wermut
Die Borstenhirse wächst glaubs auch bei uns
Und was spezielle Grasarten/Süssgräser angeht, weiss ich jetzt nicht wie sehr sie sich tatsächlich unterscheiden, aber ich habe sie in Vergangenheit so behandelt, dass die von den Inhaltsstoffen wahrscheinlich mehr oder weniger sich ähneln, zumal sie nur wenige sekundäre Pflanzenstoffe haben, wie beispielsweise die Cumarine, die mir bekannt sind und je nach Grasart unterschiedlich sind. Ansonsten unterscheiden sie sich wohl eher durch den Gehalt an Nährstoffe und Mineralstoffe.
Bei den Kräutern dagegen haben wir viel mehr eine Spezialisierung einiger Pflanzengruppen auf spezielle sekundäre Pflanzenstoffgruppen, da ist teilweise ein regelreichtes Wettrüsten zwischen den Pflanzen und ihren Frassfeinden zu beobachten. Bekannte Pflanzenstoffkategorien bei den Kräutern sind Alkaloide, Saponine oder auch Phenole. Gräser schützen sich dagegen deutlich stärker, indem sie Kieselsäure (Silikate) einlagern. Die sind da aus der Sicht der Evolution betrachtet, relativ primitiv sprich ursprünglich.

Vielleicht könnte dir noch User Atropa hier im Forum weiterhelfen. Sie hat meines Wissens praktische Erfahrung mit Mongolen.

Haben dir diese Infos ein bisschen weitergeholfen? Sonst kannst du gerne nachfragen falls etwas unklar ist oder du neue Fragen hast.
Ich bin jetzt auf die Literatur auch eher oberflächlich eingegangen. Da kann ich auf Wunsch auch gerne noch gezielter darauf eingehen.
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davX
Team


Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8463
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 09.10.2021 00:09    Titel: Re: Nahrung und Diabetes bei der Mongolischen Rennmaus Antworten mit Zitat

Falls dich das Thema Ernährung allgemein interessiert, könnten wir schon konkrete Tipps geben. Wichtig wäre für uns auch zu wissen, welches Wissen schon vorhanden ist:
1. Grundlagen der Ernährung
- Verständnis von verschiedenen Nährstoffen wie Kohlenhydrate, Stärke, Zucker, Proteine, Fette, Pektine, Faserstoffe/Rohfaser/Zellulose, Lignin (Holzstoff)
- Verständnis der Futtermittelanalyse (Weender-Analyse und erweiterte Futtermittelanalyse)
- Grobes Verständnis der Funktionsweise des Verdauungstrakt
2. Kenntnisse der Verhältnisse der Tiere in der Wildnis, sprich die Beschaffenheit ihres Lebensraums, das Klima etc.
3. Kenntnis über Strategien und Mechanismen von Tieren und Pflanzen
- Wie schützen sich Pflanzen gegen den Frass von Tieren
- Mechanischer Schutz (Stacheln & Co.)
- Chemischer Schutz, Sekundäre Pflanzenstoffe
- Andere Schutzstrategien
- Wie schützen sich Tiere gegen Frassschutzstoffe von Pflanzen
- Funktionsweise der Entgiftung im Körper der Tiere
4. Futtermittel- und Pflanzenkunde
5. Vergleiche zwischen Tierarten
usw.

Was unter 1. aufgelistet ist, das ist Biologiewissen aus dem Schulunterricht, jetzt mal abgesehen von der Futteranalyse. Bei der Funktionsweise des Verdauungstrakt bei Mäuseartigen allgemein und Rennmäusen im Speziellen gibt es natürlich einige Unterschiede zum Menschen, die dann noch dazu kämen, aber das ist kein Hexenwerk.

Was ich unter 2. aufgelistet habe, ist nach meinen Erfahrungen am schwersten zu verstehen, weil hier viele Leute gewisse Klischees im Kopf haben und vorschnell Annahmen treffen über Lebensräume, die meist weit weg von der Natur vor der Haustür liegen. Ich war zwar nie in der Mongolei oder in China, der Heimat der Mongolischen Rennmäuse, aber ich war in einigen ariden Lebensräumen, in Chile, im Mittelmeerraum (Spanien, Portugal) und in Australien.

Was ich unter 3. aufgelistet habe, ist ebenfalls wieder ein recht spezielles Gebiet. Sehr spannend und aufschlussreich, aber es ist doch ein eher spezielles Thema. Wir hatten uns in der Vergangenheit viel damit beschäftigt. In der englischen Literatur gibt es ein paar sehr gute Texte und ein bisschen was gibts auch auf Deutsch. Dazu ist aber wahrscheinlich der Gang zur nächsten Fachbibliothek (Unibibliothek, Staatsbibliothek oder ähnliches) ratsam.

Was ich unter 4. liste, das war lange Zeit unser Spezialgebiet hier. Uns interessierte insbesondere, welche Pflanzen werden von welchen Tieren gefressen. Wie beurteilt man Giftpflanzen und ihre Giftigkeit oder umgekehrt wie beurteilt man Futterpflanzen und ihre Fressbarkeit. Wie bestimmt man Pflanzen. Aber auch, wie mischt man Futtermischungen, wie funktioniert die industrielle Futterherstellung, was verbirgt sich hinter den verschiedenen Futterbezeichnungen wie Pellets, Extrudate, Cobs usw. Mit welchen Tricks arbeitet die Futtermittelindustrie usw.

Was 5. angeht, was wir hier auch feststellen konnten, dass es manchmal bei gewissen Tierarten schwierig ist, Informationen zu bekommen zu gewissen Themen. Manchmal ist es hilfreich bei anderen Tierarten zu lernen, zwischen den Arten zu vergleichen und versuchen mit einem einfachen Thema anzufangen, es zu verstehen und sich so ein Verständnis aufzubauen für schwierigere Themen. Dabei lernt man auch, wo lassen sich Erkenntnisse von einer Tierart auf eine andere Tierart übertragen und wo funktioniert es nicht.
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Anmeldungsdatum: 08.10.2021
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 09.10.2021 06:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich danke dir.

Ja in soweit hat es mir schon geholfen.

Die Problematik ist wahrscheinlich sogar eher die, dass ich damit auf jeden Fall die rosabunte Einhornwelt in denen manche leben zerstöre, aber wer kennt es nicht?

Ich selbst habe selbst Mongolen und bin zumindest in Sachen Kräuterkunde etwas weitergebildet als so manch anderer, meistens wird sowas aber nur belächelt.

Ich gaube allein diese Literaturangabe hilft mir.
Ågren, G. Zhou, Q, Zhong, W. (1989): Ecology and social behaviour of Mongolian gerbils, Meriones ungniculatus, at Xilinhot, Inner Mongolia, China. Animal Behaviour 37: 11-27.

Ich bedanke mich.
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